Man sieht sie immer häufiger an unseren Flussufern und Seen: Die Nutria (Myocastor coypus). Mit ihren orangenen Schneidezähnen und dem buschigen Fell wirken sie auf den ersten Blick fast niedlich. Doch hinter der Fassade des „Sumpfbibers“ steckt eine invasive Art, die Deutschland im Sturm erobert hat.
Ein Gast, der nicht mehr geht
Ursprünglich stammen Nutrias aus Südamerika und wurden im 19. Jahrhundert wegen ihres Pelzes nach Europa gebracht. Durch Ausbrüche aus Farmen oder gezielte Auswilderungen haben sie sich fest etabliert. Da die Winter in Deutschland immer milder werden, überleben immer mehr Tiere die kalte Jahreszeit – die Population wächst also rasant.
Warum sind sie ein Problem?
Nutrias gelten als invasive Art, weil sie unser Ökosystem und die Infrastruktur bedrohen:
- Deichschäden: Sie graben riesige Gangsysteme in Uferböschungen und Deiche, was die Hochwasserfestigkeit gefährdet.
- Fressattacken: Sie fressen Schilfgürtel kahl, was seltenen Vogelarten den Lebensraum raubt.
- Keine Ratten, aber…: Oft werden sie als „Biberratten“ bezeichnet. Biologisch gehören sie zwar zur Ordnung der Nagetiere, sind aber enger mit Meerschweinchen als mit Wanderratten verwandt.
Wer darf sie bejagen?
Aufgrund ihrer Einstufung als invasive Art nach EU-Verordnung unterliegen Nutrias strengen Management-Maßnahmen. In den meisten Bundesländern dürfen sie von Personen mit gültigem Jagdschein ganzjährig bejagt werden. In einigen Regionen gibt es sogar spezielle „Nutria-Beauftragte“ oder Bisamjäger, die im Auftrag der Wasserverbände unterwegs sind, um die Deiche zu schützen.
Vom Schädling zur Delikatesse: Nutria auf dem Teller
Was viele nicht wissen: Nutriafleisch ist essbar und gilt unter Kennern als echtes „Superfood“. Es ist extrem mager, cholesterinarm und schmeckt wie eine Mischung aus Kaninchen und Spanferkel.
Besonders in Schleswig-Holstein und den nördlichen Bundesländern gibt es eine wachsende Szene, die Nutria als regionales Wildfleisch vermarktet. Ob als Gulasch, Burger-Patty oder klassisch geschmort – wer Vorurteile gegenüber dem Namen „Ratte“ ablegt, wird mit einem zarten Wildgeschmack belohnt.
Fun Fact: Zu Zeiten der DDR war Nutriafleisch unter dem Namen „Sumpfbiber“ sogar regulär in Konserven erhältlich und ein fester Bestandteil vieler Speisekarten.
